Donnerstag, 8. Januar 2015

Ankunft in der neuen Heimat

Ankunft
Meine Reise nach Indien startete am 25.12.2014 am Flughafen in Frankfurt. Von dort aus ging es vorerst nach Delhi. Ankunft dort war um ca. 9 Uhr. Aufgrund von starkem Nebel im ganzen Staat Uttar Pradesh, wurde dann mein Flug zum Zielflughafen Lucknow (Hauptstadt von Uttar Pradesh) um 3 Std. verzögert. Bestimmte Zeitpunkte gibt es allerdings für Inder nicht. Vielmehr wird in Zeiträumen gedacht, sodass die 3 Std. kein allzu großes Problem für den Mitarbeiter der "International Relations" dargestellt hat. Wer sich über das Chaos auf italienischen Straßen schon aufregt, der sollte in Indien die Finger vom Steuer lassen. Es gibt praktisch keine Regeln mit einer Ausnahme: Links fahren ist ganz sinnvoll. Die Schlaglöcher, die wir in Deutschland teilweise gewöhnt sind, erscheinen geradezu lächerlich im Vergleich zum Zustand der Straßen auf dem Weg von Lucknow Flughafen nach Kanpur. Nach ca. 2 Std. war der Campus erreicht. Es war schon dunkel, ähnlich kalt wie in Deutschland (ca. 5°C) und ich habe mein Zimmer im VHE (Visitor Hostel Extension) mit einem weiteren deutschen Austauschstudenten bezogen.

Unterkunft und Organisation
Ich denke was meine Unterkunft so angeht, lasse ich einfach die Bilder für mich sprechen. Diese sind allerdings im zweiten Hostelraum erstanden, in den ich am Ende meiner ersten Woche am IITK gewechselt bin. Im Gegensatz zum vorherigen Raum ist dieser zuvor gesäubert worden.
Doppelzimmer mit Klimaanlage liegen bei 155€ im Monat, Doppelzimmer ohne bei 60€. Warmes Wasser gibt es nur eimerweise aus dem Wasserhahn nach ca. 5 Min. Wartezeit.
Selbstverständlich wurden die "reichen" Austauschstudenten bei Temperaturen von 5°C in die Zimmer mit Klimaanlage gebracht - nur das Beste für uns. Wie man sich da vorstellen kann, lief die Klimaanlage natürlich kein einziges Mal.
Abgesehen von der Unterkunft gab es dann noch die ganzen Organisatorischen Sachen bzgl. der Kurse zu regeln. Zu erfahren was alles an Formularen ausgefüllt werden musste usw. war schon die erste Hürde. Danach ging es von Büro zu Büro, um alle Unterschriften abzuholen, den Studentenausweis abzuholen, sich für die Vorlesungen zu registrieren, ein Mail-Konto zu bekommen und die Verwaltungsgebühr zu bezahlen. Vor allen Dingen weil die Inder doch sehr lange Pausen haben und meist nicht im Büro anzutreffen sind bzw. teilweise Professoren erst eine Woche nach Beginn der Vorlesungen wieder auftauchten. Jedenfalls wird auf das Ausfüllen der Formulare sehr viel Wert gelegt. Da wundert man sich schon, wenn die zuständigen Personen bei Abgabe der Formalien den Zettel zum ersten Mal in Ihrem Leben sehen und nicht wissen, was damit anzufangen ist...


 Hostelzimmer mit zwei Betten

Waschbecken am Eingang zum Duschraum 

 WC

Dusche

Essen
Der Campus hat 11(?) sogenannte "Halls". In diesen Halls leben die Studenten und dort gibt es jeweils eine Mensa und eine Kantine. Die Mensa hat jeden Tag bestimmte vorgegebene Mahlzeiten. Die Kantine hingegen hat ein bestimmtes Menü, aus dem man auswählen kann. Lesbar zwar, da in lateinischen Buchstaben, aber nicht verständlich, da die Gerichte mit ihrem indischen Namen aufgelistet sind. Mithilfe einiger indischer Mitstudenten konnte ich einige vegane Gerichte finden. Die Auswahl ist nicht allzu groß, aber zum Überleben dürfte reicht es. Einige Kantinen sind besser als andere, so dass ich für mich die Kantine in Halle 4 gefunden habe, die auch relativ zentral auf dem Campus liegt. Pro Essen kann man mit max. 60 Rupien rechnen: Also etwas weniger als 1€. Der Geschmack ist OK und definitiv nicht schlechter als das Essen in der Mensa der TU Darmstadt...
Besonders hervorzuheben ist noch das Wasser: Gefiltertes Wasser ist umsonst. Sobald Essen bestellt wurde, bekommt man einen Becher und kann sich so viel Wasser nachschenken, wie man möchte. Dabei darf man nicht vergessen, dass in vielen Teilen Indiens sauberes Trinkwasser ein rares Gut ist. In Deutschland werden die Toiletten mit Trinkwasser gespült, aber unter 1,50€ für ein Glas Wasser kommt man auch in der Kantine nicht weg...

Vorlesungen
Die Vorlesungen hier am IITK unterscheiden sich von denen an der TU Darmstadt in der Hinsicht, dass hier doch sehr viel weniger Studenten in einer Vorlesung zusammensitzen. Ansonsten ist der Ablauf relativ ähnlich. Oft werden allerdings Mitarbeit und Präsentationen gefordert. Das ist an der TUD, zumindest im Informatikbereich, doch eher selten bis gar nicht anzutreffen. Leider war der vorhandene Semesterplan auf der Homepage des IITK veraltet und im Endeffekt wird dieses Semester nur eine der von mir geplanten Vorlesungen angeboten. Neben zwei Vorlesungen aus dem Informatikbereich (Compiler Design und Mobile Computing), habe ich mich dann dazu entschieden eine Vorlesung aus dem Elektrotechnikbereich (Neural Networks) und eine aus dem Soziologiebereich zu nehmen (Indian Society and Culture). Außerdem wird die Tage ein Hindikurs starten, auf den ich besonders viel Wert legen möchte.

Fazit 1. - 2. Woche
Nachdem nun alle organisatorischen Dinge geregelt sind, kann ich mich so langsam auf das Studieren konzentrieren. Es gab schon viele nette und hilfsbereite Mitstudenten kennen zu lernen und täglich trifft man sich zum Abendessen. Viele Austauschstudenten gibt es nicht. Die meisten Austauschstudenten aus Europa kommen aus Frankreich, deutsche gibt es insgesamt vier.
Mückenstiche konnte ich größtenteils vermeiden mit Hilfe des Moskitonetzes für die Nacht. Außer dem Moskitonetz und dem Tragen langer Kleidung ist nicht viel mehr zu machen. Bilder habe ich bis jetzt praktisch noch keine gemacht. Es fühlt sich einfach nicht richtig an, die Leute in der Stadt zu fotografieren. In gewisser Hinsicht sind es Schuldgefühle, die mich vom Fotografieren abhalten. Denn ich weiß genau, dass ich auf Kosten der Menschen hier in Indien und auch in allen anderen armen Ländern lebe. Ich trage diese Mitschuld an deren Leben in Armut. Und die Menschen hier, wissen das auch. Dann, auf der anderen Seite, gibt es die Menschen hier, die zur gehobenen Mittelklasse gehören und die selbst die Digitalkamera oder das Smartphone auspacken, um Fotos von mir zu machen. In Gebieten, wo sich kaum ein Tourist hin verirrt, sind Weiße eine kleine Attraktion. Teilweise kommt man sich, den Blicken nach zu urteilen, nicht so vor als käme man aus einem anderen Land, sondern viel eher von einem anderen Planeten.
Zu den Verhältnissen bzw. Gegensätzen in Indien noch allgemein: Sobald man den Campus verlässt, erscheint es einem fast so, als ob man eine andere Welt betritt. Zusätzlich zu dem Plastikmüll, der sowieso schon überall herumliegt, dem Dreck, der Hektik und der Menschenmenge, gibt es regelrechte Müllkippen überall am Straßenrand. Kühe, Hunde, Wildschweine und Büffel nehmen aktiv am Straßenverkehr teil (und ernähren sich vom Müll). Durch die Straßen kommt man auch nicht, ohne dass einen zahlreiche bettelnde Kinder verfolgen. Trotzdem erscheint es mir nach zwei Wochen schon sehr "normal". Man gewöhnt sich erschreckend schnell an solche Dinge...

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